Tod, Vergänglichkeit, Männlichkeit


Erik LEVINE

As a Matter of Fact

Ausstellung im Ludwig Forum Aachen

19. Mai – 24. September 2017

Erik LEVINE: Cocker, Videostill, 2010,

© Erik LEVINE

Erik LEVINE (*1960 Los Angeles, USA) lehrt als Professor an der University of Massachusetts in Boston. Sein Werk umfasst Zeichnungen, Skulpturen und seit 2000 zunehmend Arbeiten mit dem Medium Video. Zentrale Themen der Filme sind Tod und Vergänglichkeit, aber auch Männlichkeitskulte.

Das Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen zeigt in einer Einzelausstellung eine repräsentative Auswahl der Videoarbeiten des Künstlers.

Zwei Beispiele:

More Man (2005) schildert wie im Sport die Vorstellung davon, was männlich ist, von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Der Clip erzählt wie Trainer und überengagierte Väter junge Football-Spieler mit wilder Gestik, Mimik und lauten Schreien motivieren wollen. Die Jungs werden geschubst. Aggressive Schreie hallen laut über das Feld. In voller Montur stehen die Jugendlichen als Football-Team im Kreis, hüpfen, laufen und springen umher wie junge Böcke, hauen sich auf die Helme, begrüßen die Gegner respektvoll, wie es von ihnen verlangt wird. Angesichts der zahlreichen Demütigungen, die sie von ihren Trainern und Vätern erfahren, scheinen die Mienen der Jungs wie versteinert. Bezeichnend ist das letzte Bild des Videos, das den Blick frei gibt in die Augen eines jungen Spielers.

Erik LEVINE

bei Dreharbeiten zu Cocker (2010).

© Erik LEVINE. Foto: Analia SEGAL

Cocker (2010) erzählt von einem Hahnenkampf, der Vorbereitung und der Pflege der gefiederten Kombattanten, aber auch vom Stolz ihrer Besitzer, die die gespornten, kampfdressierten, von zehrendem Hunger getriebenen Tiere aufeinander losgehen lassen. In der Arena geht es um alles. In einem Blutrausch, aggressiv und schmerzvoll, kämpfen die Hähne um Leben und Tod, stellvertretend für die Ehre und den Ruhm ihrer Besitzer. Szenen mit Momenten höchster Spannung, erbarmungslos in der Darstellung vom Scheitern der Hähne und dem Verlust der Männlichkeit ihrer Besitzer.

Dr. Andreas BEITIN, Direktor des Ludwig Forum Aachen und Kurator der Solo Show, meint: „Erik LEVINE verdeutlicht in seinen Videos auf sehr einfühlsame, aber auch rückhaltlose Weise zentrale Themen unserer Gesellschaft. In sehr ästhetischen und eindrücklichen Bildern, unterlegt mit intensiven Sounds, präsentiert er existentielle Themen wie Vergänglichkeit, Tod und Scheitern, aber auch Männlichkeit und wie diese konstruiert wird. Levine thematisiert damit grundlegende Entwicklungen und Zustände der westlichen Gesellschaft, wodurch die hohe Aktualität der Videos von Erik Levine nachdrücklich dokumentiert wird.“

Zu der Ausstellung soll eine Publikation erscheinen mit Texten von Andreas BEITIN, Leonhard EMMERLING, Leila FARSAKH, Berta SICHEL und einem Interview mit dem Künstler, das Hugh DAVIES führte (Verlag für Moderne Kunst, 2017).

Eröffnung der Ausstellung: 18. Mai 2017, 19 Uhr

Samstag, 20. Mai 2017, 15 Uhr: Erik LEVINE im Gespräch mit Andreas BEITIN (Ludwig Forum), Leonhard EMMERLING (Goethe-Institut Neu-Delhi) und Tasja LANGENBACH (Videonale).

Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen

Erik Levine – As a Matter of Fact

19. Mai – 24. September 2017

Kurator: Dr. Andreas Beitin

Projektleitung: Vanessa Roder